Rekord II bzw. D / Commodore B

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Der Rekord D bzw. Commodore B ist ein typischer Vertreter der 70er Jahre, leider auch was die Karosseriequalität anbelangt. Dem ernsthaften Interessenten sollte klar sein, dass das Gros der angebotenen Autos verrostet und/oder mehr oder weniger gut geschweißt ist. Da Opel großzügigerweise auf eine umfassende Versiegelung von Unterboden und Hohlräumen verzichtet hat, haben heutige Restauratoren mit den Folgen zu kämpfen. Werkseitig gab es ein paar eher rührende Versuche mit verzinkten Blechen (das vordere Stegblech im Schweller) und Zinkstaubfarbe, die aber dem Zahn der mittlerweile 3 Jahrzehnte kaum etwas entgegenzusetzen haben. Der Unterboden war mit Wachs beschichtet, was laut Opel jährlich wiederholt werden sollte. Der in den Radkästen werksseitig aufgetragene Unterbodenschutz ist mittlerweile ausgehärtet, sodass sich dort Feuchtigkeit mit den entsprechenden Folgen festsetzen kann.
Es soll hier keinesfalls der Eindruck vermittelt werden, dass es sich bei dieser Baureihe um furchtbare Rostlauben handelt, man sollte jedoch beim Kauf die Augen offenhalten. Es sind durchaus noch ungeschweißte und fast rostfreie Autos aus Rentnerbesitz zu finden. Als besonders vorteilhaft erweist es sich, wenn kluge Erstbesitzer dem Neuwagen eine Hohlraumversiegelung, meist von Dinol, gegönnt haben. Dies ist meistens an den nicht serienmäßigen Bohrungen in den Türen zu erkennen, die mit Kunststoffstopfen verschlossen sind. Solche Autos erfreuen sich meist einer soliden Substanz und sind mit wenig (Schweiß-) Einsatz zu retten.

Technikteile sind dank des Baukastensystems relativ leicht zu bekommen, während originale Blechteile fast mit Gold aufgewogen werden. So werden für vordere Kotflügel bis zu 200 € verlangt, für Frontmasken ca. 500 und vordere Längsträger kosten 800 €.

Innenausstattungsteile sind zu bekommen, allerdings erschwert die Farb- und Variantenvielfalt die Suche, für top erhaltene Teile wird auch viel Geld verlangt, dies gilt besonders für Kunstlederausstattungen.

Ebenso teuer sind Chromteile besonders der “Chrom”rahmen um den Kühlergrill des Commodore oder gute Stoßstangen.

Scheiben sind recht problemlos zu haben, gesucht sind hier Colorverglasungen, die beim Coupe häufiger anzutreffen sind. Sekuritwindschutzscheiben sollte man gegen Verbundglasscheiben austauschen.

Schwer zu beschaffen sind originale Nebelscheinwerfer, ebenso wie die elektromagnetische Kofferraumentriegelung. Hinterachsen mit Scheibenbremsen sind extrem beliebt, hier werden für Gebrauchtteile um 500 € gefordert.

Der Opel Rekord D
 
Mit ca. 1,3 Millionen produzierten Fahrzeugen (inkl. Commodore A) war die Rekord C Baureihe der erfolgreichste Rekord aller Zeiten. Dank der CIH Motoren, der neuen und größeren Karosserie, sowie der verbesserten Hinterachse war der Rekord C in technischer Hinsicht ein Quantensprung. Was lag näher als dem Rekord D die Bezeichnung Rekord II zu geben und damit klarzustellen, daß er der direkte Nachfolger des überragenden Rekord C war und nicht einfach nur ein neuer Rekord wie viele vor ihm? Mit diesem Namen wurde der Wagen im Januar 1972 offiziell vorgestellt. Das Design war stark verändert worden. Viel Glas, und ein Design, daß sich an der Form mehrerer zusammengesetzter Röhrenabschnitte orientierte, fanden von Anfang an Gefallen.
 
War der Rekord C bei seiner Vorstellung wegen seines neuen Design des öfteren kritisiert worden, so fand das Rekord D Design, das wiederum alle bekannten Karosserievarianten und die L Ausstattung bot, allseitige Zustimmung.
Nur das Coupe mußte sich leichte Kritik gefallen lassen. Es besaß, im Gegensatz zum Rekord C Coupe, eine feste B Säule und das beliebte Fastback-Heck wich einem de facto Stufenheck. Um trotz dessen den Coupecharakter optisch zu gewährleisten, wurden kurzerhand alle Fensterflächen deutlich stärker geneigt, die Formen dadurch fließender. Damit besaß das Coupe, anders als noch beim Vorgänger, eine eigene Frontscheibe und war nicht mehr, bis auf das Heck, mit der 2-türigen Limousine identisch.

Der Rekord im neuen Design auf flotter Fahrt

 

Die Basisausstattung des Rekord

Die Innenraummaße blieben unverändert, obwohl der Wagen eine um wenige Zentimeter geringere Außenbreite verfügte. Die überarbeitete Vorder- und Hinterachse, jetzt beide mit breiterer Spur und waagerecht stehenden Hinterachsstoß-dämpfern, (außer Caravan, weiterhin konstruktionsbedingt schräge Dämpferanordnung), kamen dem Fahrverhalten zu gute. Opel warb mit dem neuen “Tri-Stabil-Fahrwerk” und verschwieg dabei, daß es sich noch immer um eine Starrachse handelte. Dennoch konnte der Wagen bei Tests gegen Konkurrenzmodelle mit Einzelradaufhängung überzeugen.
Ab 1975 war der Rekord D als Ausstattungsvariante “Berlina” lieferbar. Neben einer hochwertigen Veloursausstattung.
 
In den Innenfarben schwarz, blau, rot und beige lieferbar, verfügte der Berlina ebenfalls über das 4-Speichen-komfortlenkrad und eine spezielle Geräuschdämmung an Motorhaube und Motorstirnwand.
Der Schriftzug “Berlina” an Kotflügeln und Armaturenbrett sollte die gehobene Ausstattung auch nach außen hin darstellen. Gegen Produktionsende wurden aber auch diverse Sondermodelle mit Berlinainnenausstattung angeboten, ohne, daß dies durch einen Schriftzug am Fahrzeug belegt wurde, wie zum Beispiel bei den Sondermodellen Maharadscha, Top und Millionär. Der augenscheinlichste Unterschied des Berlinamodells war jedoch der wuchtige, von innen einstellbare, Fahreraußenspiegel (nicht beim 76er Sondermodell Maharadscha).

Innenraumgestaltung, Berlina-Ausführung

 

Instrumente des Sprint

Der Sprint war als eigenständiges Modell nicht mehr im Programm. Dafür konnten sportlich ambitionierte Rekord-Käufer eine Ausstattungsoption “Sprint” wählen, die neben einer anderen Fahrwerksabstimmung und Sonderinstrumenten, sowie 185/70er Bereifung, auch einen schwarzen Zierstreifen bot, der den sportlichen Anspruch mehr oder weniger vorteilhaft nach außen symbolisierte. War der Rekord C Sprint mit Doppelvergasern und eigenem Motor mit 106 PS noch ein ernstzunehmender “sportlicher” Rekord C, so entwickelte sich der Rekord D in “Sprintausstattung” schnell zum belächelten Möchtegernsportler. Die Ausführung war mit den meisten Motoren des Rekord Programms kombinierbar, unter anderem dem trinkfreudigen und wenig agilen 1,9 Liter N Motor (ab 1975) als Coupe.
 
Der 1,7 Liter N Motor blieb unverändert bei 66 PS. Der 1,7 Liter S leistete nun 83 PS, der 1,9 Liter SH brachte es auf 97 PS. Hierbei stand das H in der Motorenbezeichnung nicht mehr für “Hochleistung” wie bei den Doppelvergaser-modellen, sondern für die Verwendung von Hydrostößeln. Ebenfalls war zum ersten mal ab dem Sommer 1972 ein Dieselmotor für einen Rekord lieferbar.
 

Flowerpower inklusive: Rekord Sprint Coupe

Bewährte Technik in neuem Kleid

 

Geräumig und praktisch : Der Caravan

Der 2,1 Liter Dieselmotor leistete 60 PS. Ab 1975 setzten neue Abgasgesetze der Leistungssteigerung ein Ende. Der 1,9SH wurde auf 90PS leistungsreduziert, der 1700S durch einen abgasärmeren und normalbenzintauglichen, dafür aber trinkfreudigen, 1900N mit 75 PS ersetzt und der 1700N stellte mit jetzt nur noch 60PS die Basismotorisierung dar. Der Diesel blieb im Programm.
Neu hinzu kam ein 2,0 S Motor mit 100 PS. Zu dessen Einführung (beim Diesel etwas früher) wurde die Bremsanlage an der Vorderachse bei allen Modellen verstärkt.
 
Modellveränderungen
 
Januar 1973 Der oft kritisierte Wischerschalter unter den Instrumenten wird gegen eine Schaltereinheit an der Lenksäule ausgetauscht
Modelljahr 1974 Um 1 mm dickere Scheibenbremsen für die Dieselmodelle, Holzimitat am Armaturenbrett, kürzere hintere Seitenschutzleiste
Modelljahr 1975 Einführung der luxuriösen Berlina-Ausstattung mit Feinveloursitzstoffen in schwarz, beige, rot und blau, 2000S lieferbar und damit verstärkte Scheibenbremsen vorne für alle Modelle, neue Sitzbezüge “schwarz-weiß Hahnentritt” und “beige-braun Hahnentritt” neu im Programm bei Grundmodell und L, neue Motorenpalette, neue Innenfarben, Wegfall Lenkradschaltung und Gummibodenbelag bei Grundmodell.
Ab Mai heizbare Heckscheibe ohne Aufpreis, Basismodell ohne Radkappen, Ausstattungsvariante “L” jetzt ohne Stoßstangenhörner, ab August Gummistoßleiste auf der Stoßstange und Tageskilometerzähler serienmäßig.
Modelljahr 1976 Automatikgurte vorn Serie
Modelljahr 1977 Kopfstützen bei Berlina jetzt mit Veloursstoff bezogen
Der Opel Commodore B
 
Im Frühjahr 1972, nur kurz nach dem Rekord D, stellte Opel den neuen Commodore B vor. Trotz der neuen und sehr modern wirkenden Form waren viele Stilelemente vom Vorgänger übernommen worden. Der Commodore unterschied sich durch den anderen Kühlergrill mit Gitteroptik, einen seitlichen Zierstreifen, breite hintere Blende zwischen den Rückleuchten und Holzimitatverkleidungen im Innenraum an Armaturenbrett und Türverkleidungen vom Rekord.
 
Auf zusätzlichen Chromschmuck an den Wagenflanken verzichtete man. Für eine bessere Belüftung des Commodore sorgten zusätzliche Lüftungsdüsen mittig im Armaturenbrett. Der altbekannte 2,5 S Motor wurde aufgrund der besseren Versicherungseinstufung wieder auf 115PS reduziert. Eine 2-türige Limousine war nur noch beim Rekord im Angebot, der Commodore war nur als 4-türige Limousine und Coupe lieferbar. Die Cordveloursausstattung entsprach den Stoffen der KAD-B Baureihe. Der von der Fachpresse beim Rekord D zur Einführung oft kritisierte Umstand des fehlplatzierten Wischerschalters am Armaturenbrett, war beim Commodore besser gelöst. Er besaß den Schalter als Drehknopf im Blinkerhebel von Produktionsbeginn an.

Der Commodore GS, erste Serie

 

Das neue Cockpit, zweite Serie, GS-Ausstattung

Ähnlich verhielt es sich beim Commodore GS. Neue Sportstahlfelgen, geschwärzter innerer Kühlergrill und Zusatzscheinwerfer, Zusatzinstrumente sowie die markanten Schriftzüge mit roten GS Buchstaben griffen die Stilelemente des Vorgängers auf. Der Motor blieb im Hubraum bei 2,5 Litern unverändert und leistete mit Doppelvergaseranlage und erhöhter Verdichtung wieder 130 PS. Allerdings war vielen potentiellen Neukunden das Drehmoment des 2,5H Motors zu gering. Schon vom Vorgänger war man als Alternative den GS 2800 gewohnt, der deutlich mehr Drehmoment bot. 1973 bot Opel die langersehnte GS 2800-Variante mit 142 PS an.
 
Die Auspufführung unter dem Fahrzeug war bei Rekord D und Commodore B verändert worden. Ein gesteigertes Umweltbewusstsein sorgte für eine Umlegung des Auspuffs auf die linke, dem Fußgängerweg entfernte Seite. Diese geänderte Führung führte zu einem geringfügig schlechteren Gaswechsel und damit zu einer Leistungseinbuße von 3PS gegenüber dem Vorgängermodell. Nur wenige Wochen nach Einführung der GS 2,8 wurde der GS mit dem “kleinen” 2,5 Liter H Motor ersatzlos aus dem Programm gestrichen. Um die klaffende Leistungslücke zwischen der 115 PS 2,5S Version und dem 142 PS starken 2,8 H Motor im GS mit einer drehmomentstarken Variante zu schließen, war ab 1973 ein 2,8S Motor mit nur einem Vergaser und 130 PS für den Commodore GS lieferbar.

Innenraumgestaltung, zweite Serie, 4-Türer

 
Der Commodore GS/E folgte dem GS im Herbst 1972. Diesmal sorgte der 2,8 Liter Einspritzmotor aus der KAD-B Baureihe für 160 PS und überzeugende Fahrleistungen. Zwar hatten Automobiltests schon dem Commodore A GS/E Coupe Höchstgeschwindigkeiten von 200 km/h zugestanden, aber Opel konnte aufgrund der Mehrleistung und der verbesserten Aerodynamik die Werksangabe des neuen Modells guten Gewissens auf 200 km/h festlegen, gegenüber den 197 km/h des Vorgängers.
 

Die Farben der 1970er (zweite Serie)

Auch der Drehmomentverlauf und die Agilität des Wagens profitierten vom erweiterten Hubraum. Wie schon beim Vorgänger sorgte beim GS/E der zusätzliche Frontspoiler für einen optisch markanten Auftritt und zur Abgrenzung vom schwächeren GS, dessen Stilelemente er natürlich ebenfalls übernahm.
Aufgrund der Mehrleistung sorgten erstmals innenbelüftete Scheibenbremsen vorne für angemessene Verzögerung, auch wenn es an der Hinterachse bis Mitte 1974 bei Trommelbremsen blieb. Danach wurde die Bremsanlage auch hinten auf Scheibenbremsen umgestellt.
 
Das Modelljahr 1975 brachte nicht nur dem Rekord umfangreiche Veränderungen. Auch der Commodore wandelte sich. Die im Rekord angebotene “Berlina” Ausführung mit Veloursbezugsstoffen und Geräusch-dämmungspaket sowie von innen einstellbarem Außenspiegel war auch für den Commodore lieferbar. Vorher waren Veloursstoffe allein dem GS/E vorbehalten gewesen. Alle Commodore-Modelle erhielten die GS-Sportstahlfelgen ab Werk serienmäßig. Der GS/E wurde mit Alufelgen serienmäßig ausgeliefert und fiel in der Leistung von 160 auf 155 PS, der GS von 142 auf 140 PS.
Das Modelljahr 1976 brachte noch mehr Veränderungen. Ab März 1976 wurde die Berlina-Ausführung gestrichen und Teil des “GS-Pakets”.

Raumwunder: der GS/E als Viertürer

 

Das sportliche GS Coupe

Das “GS-Paket” war von nun an für jeden Commodore lieferbar und unabhängig von der Motorisierung. Die GS/E Ausführung mit zusätzlichen Alufelgen und Frontspoiler blieb weiter dem 2,8 Liter Einspritzmotor vorbehalten. Eine weitere Neuerscheinung war der Commodore Special. Er basierte in Bezug auf Karosserie und Innenausstattung auf dem Rekord L, lediglich die Technik entsprach dem Commodore. Diese, zuerst nur als Sondermodell gedachte, Variante war ein solcher Verkaufserfolg, daß Opel den Special bis zum Bauzeitende im Jahr 1977 im Programm beließ.
Bis zur Einstellung der Produktion 1977 verließen gut 140.000 Opel Commodore die Produktionsbänder der Opelwerke.
 
Modellveränderungen
 
Modelljahr 1975 Servolenkung Serie bei GS und GS/E, vorher nur bei GS/E, GS mit Bremsanlage des GS/E d.h. Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet
Modelljahr 1976 Quarzuhr, Wegfall elektrischer Uhr
März 1976 Wegfall Zierstreifen, breitere Seitenschutzleisten

 

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